Hochschulwatch

Die Plattform Hochschulwatch – ein Kooperationsprojekt von FZS, Transparency International und TAZ ist nun seit einer guten Woche online – es finden sich dort Daten zur Zusammenarbeit von privater Wirtschaft und Hochschulen, also zu Drittmitteln aus der privaten Wirtschaft, zu Stiftungsprofessuren und zum sog. Hochschulsponsoring (das meint das Fördern oder Übernehmen einzelner Etatposten, die in Hochschulen jenseits von direkter Forschung anfallen durch private Sponsoren). Weiterhin finden sich in den Daten Angaben zu den in vielen Bundesländern in den Hochschulgesetzen enthaltenen Hochschulräten.
Man kann dort Daten nach Bundesländern, Hochschulen oder Unternehmen getrennt abrufen. Ruft man die jeweils einer Hochschule gewidmete Seite auf, dann bekommt man neben der Globalsumme der Drittmittel der Jahre 2010, 11 und 12 angezeigt wie hoch der privatwirtschaftliche Anteil daran war. Zudem sieht man – sofern es Hochschulräte gibt – eine Liste von Hochschulratsmitgliedern nebst deren Unternehmenszugehörigkeiten. Das alles ist verdienstvoll und gut, dass jemand diese Daten zusammengetragen hat.

Etwas ratlos hinterlässt mich die Datensammlung aus mindestens zwei Gründen:

  • Die Daten sind nicht aktuell, im besten Fall drei Jahre alt, somit für eine politische Praxis nicht handlungsrelevant
  • Die Daten sind nicht interpretiert (und in der Menge auch nicht interpretierbar), so weiß man – beim einfach gegriffenen Beispiel der Fachhochschule Ansbach – nicht, worum es sich bei der dort im Hochschulrat durch einen Vertreter vertretenen Oechsle AG handelt. Bei Drittmitteldaten hat das zur Folge dass man im konkreten Fall nicht so recht weiß, ob es sich um private Forschungsförderung, private Auftragsforschung oder gar outgesourcte Entwicklung oder mäzenatische Wissenschaftsförderung handelt.

Aus diesen beiden Problemaspekten folgt, dass es auf einen ersten Blick so aussieht, als passten Intention und Ressourcen des Projektes nicht so recht zueinander, mit anderen Worten, hier wird was gutes gewollt, aber letztlich im Ergebnis zu wenig gemacht, um wirklich hilfreich sein zu können. Manchmal hinterlässt die Seite auch den Eindruck als sei sie allzu schnell, mit etwas zu heißer Nadel zusammengebaut worden.

Die InitiatorInnen der Seite scheinen davon auszugehen, dass Forschungsförderung durch Private problematisch ist, weil dadurch die Unabhängigkeit der Forschung berührt wird, und weil im Falle von Stiftungsprofessuren von Unternehmen angeregte Forschungsagenden zu denen von Hochschulen werden können. Damit stehen sie in einer Opposition zum Hauptstrom der Hochschulpolitik, die aus einer Reihe von Gründen private Drittmittel gutheißt. Weil sie Geld ins System spülen, weil sie Leistungsfähigkeit anzeigen etc. und weil sie, so würde es wohl manch einer sagen, für eine zivilgesellschaftliche Eingebettetheit der Hochschulen stehen. Aus Sicht der meisten HochschulpolitikerInnen ist es ausdrücklich kein Problem, wenn private Agenden die Forschungsagenden staatlicher Hochschulen beeinflussen.
Dennoch muss genau hier ein Nachdenken einsetzen. Zum ersten muss man fragen, wie es möglich werden kann, dass neben der Wirtschaft auch andere Teile der Zivilgesellschaft ihren Interessen forschungspolitisches Gehör verschaffen können. Es kann nicht sein, dass nur die Wirtschaft hier ihre Interessen artikuliert. Es stellt sich also die Frage, ob es im Namen der Zivilgesellschaft eine Entstaatlichung staatlicher Drittmittel geben muss, allerdings sollte diese Entstaatlichung nur denjenigen Teil der staatlichen Drittmittel betreffen, deren Verteilung an nicht primär wissenschaftlichen Relevanzen orientiert ist.
Erst wenn dies passiert, kann man damit beginnen, zu diskutieren, wann, wie viel Drittmittel welcher Art für Hochschulen gut sind und welche Drittmittelhäufungen eventuell auch negative Auswirkungen auf einen Forschungsbetrieb haben können.