Wie man die wissenschaftlichen Dienste des Bundestags besser nicht bemüht. Eine etwas genervte, sehr kurze, Bemerkung

Manchmal geht es Leuten im Politikbetrieb einfach nur darum, es im Karton rappeln zu lassen. Dabei kommen dann Ergebnisse zustande, die für einen halben Tag ein Feuerwerk des Esschonimmergewussthabens abbrennen und schon am Feierabend desselben Tages vergessen sind. So hat die Fraktion der Linkspartei die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags gebeten, zu überprüfen, ob es denn wirklich einen vielleicht gar kausalen Zusammenhang zwischen Innovation und befristeter Beschäftigung von Wissenschaftler*innen gibt. Dabei ist ein 13seitiges Papierchen herausgekommen, bei dem man sich dort, der Aufgabenstellung gemäß nicht besonders viel Mühe gemacht hat.[1]

Eingeleitet wird mit der Feststellung, dass das WissZeitVG umfangreichere Befristungsmöglichkeiten vorsieht als irgendein anderes Arbeitsverhältnisse regelndes Gesetz. Befristung sei, so verweist das Papier auch auf das Bundesverfassungsgericht im Zusammenhang beruflicher Qualifikation zu sehen. Strittig dabei könne sein, heißt es weiter, sei, ob Qualifikation sinnvoll nur auf die Promotion oder auch auf etwaige weitere Qualifikationsschritte bezogen werden sollte.

Dann wird schnell Innovation bestimmt, unter Bezugnahme auf Literatur zu Innovationsmanagement in KMU. Innovation heißt es zwei Absätze weiter, sei das was die Innovationsindikatoren indexierten. Deutschland befinde sich dabei in einem europäischen Mittelfeld, gleichauf mit Dänemark, knapp vor Frankreich. Und dann geht es um den Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN), welche Befristungsanteil der so angibt. Nun, der Befristungsanteil ist je nach Alter und Geschlecht nie unter 75 % und bei Frauen und Männern unter 35 bei 98 bzw. 99 % und, die letzten 15 Jahre betreffend steigend. Der betreffende Textteil schließt mit der Aussage, dass eine Korrelationsanalyse mit innovations-abhängigen Indikatoren (steht genau so im Text) nicht gemacht worden sei.

Dann hat man sich noch ein bisschen Studien genannte Papiere angesehen. Es wird netterweise auf das Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss) verwiesen und auf einen Sammelband Faszination Wissenschaft aus 2016.[2] Jedenfalls es wird noch einmal betont, dass man weder eine Korrelation von Innovation und Befristung gesucht noch gefunden habe und dies auch gar nicht habe machen können (S. 9).

Und im letzten Teilkapitel wird ein kleiner Vergleich der deutschen Situation mit der in den Nachbarländern Österreich und Frankreich und den USA vorgenommen.

Zum Ausstieg geht das Papier noch auf zwei Studien der Kasseler Bildungswissenschaftlerin Esther Höhle ein.[3] Höhle habe zum einen festgestellt, dass im Zuge der Bildungsexpansion die Zahl der Promovierten stark gestiegen sei, und es eine schwache Korrelation von Promoviertenanteil an den Beschäftigten und Bruttoinlandsprodukt gebe, dieser Anstieg dennoch nicht einer systemischen Logik des Beschäftigungssystems folge, sondern eher im Rahmen eines Bildungswettrüstens der Menschen untereinander zu sehen sei.

Wie auch immer nach Lektüre WD-Papiers bleibe ich zumindest etwas ratlos zurück und weiß nicht so wirklich, was ich damit nun anfangen soll. Es stellt sich die Wahrnehmung ein, einem Strohfeuer beim Abbrennen zugeguckt zu haben, das besonders seinen Anzünder*innen hat helfen sollen, ein bisschen Punkte zu sammeln. Ein nachhaltiger Impuls geht davon abgesehen von dem Papier nicht aus. Das liegt vor allem daran, dass das Papier völlig darauf verzichtet hat, sich den politikbetrieblich benutzten Innovationsbegriff etwas ausführlicher anzugucken, was, meiner Meinung nach, leicht möglich gewesen wäre. Ich jedenfalls habe das gelesen und gelangweilt weggelegt. Das Papier bestätigt eine Erwartung liefert aber nichts, was diese Erwartungsbestätigung sachlich untermauern würde.

[1] Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste (2022): Zu befristeten Arbeitsverhältnissen in der Wissenschaft und Innovation. Innovation durch Fluktuation; WD 8 – 3000 – 061/22; url: https://www.bundestag.de/resource/blob/911754/c37e79b4ab0b84337740862b5cf95573/WD-8-061-22-pdf-data.pdf

[2] Sigrid Metz Göckel e. A. (Hg.)(2016): Faszination Wissenschaft und passagere Beschäftigung: eine Untersuchung zum Drop-Out aus der Universität; Opladen: Verlag Barbara Budrich.

[3] Esther Höhle (2016) Bildungsexpansion – wissenschaftliche Karriere- Befristung : ein Vergleich in Europa; in: Schmidt J. et al Hrsg.: Internationalisierte Welten der Bidlung: Bildung und Bildungspolitik im internationalen Vergleich BAns 16 von Wirtschafts Und Sozialpolitik Nomos 2016 (so aus dem WD-Papier abgetippt mit Groß-, Kleinschreibung und fehlenden Satzzeichen aus der Fußnote 26 des WD-Papiers abgetippt) und Dieselbe (2019): Befristung an Universitäten. Eine Analyse von Ursachen im internationalen Vergleich; in: Das Hochschulwesen 1+2 2019, S. 11-19. Der zweite Text ist über das Researchgate-Profil der Verfasserin online verfügbar.

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