Wie man sich bei der Konrad-Adenauer-Stiftung Zukunft vorstellt

Zum 1. Februar hat die Konrad-Adenauer-Stiftung ein Zukunftsmagazin einigen Zeitungen beilegen lassen (herunterladen kann man es hier). Wie dies nahezu natürliches Schicksal solcher Gratisbeilagen ist, lag es zunächst ungelesen rum, entging bei mir aber zum Glück dem Wegschmeißen. Beim ersten Durchblättern und dann auch Lesen zeigte sich, dass das Magazin eine Fundgrube in Hinblick darauf ist, wie sich Konservative eine nahe Zukunft vorstellen, was sie dabei wichtig finden. Aus diesem Grund möchte ich hier einen Lektürebericht zur Verfügung stellen.

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Wie es mit der Demokratisierung der Hochschulen endlich weitergehen kann

Lothar Zechlin, meiner Ansicht nach einer der interessantesten Vertreter aus dem Kreis der ehemaligen Universitätspräsidenten, hat im Tagesspiegel einen Artikel zur Frage der ProfessorInnenmehrheit in Hochschulgremien geschrieben. Er wundert sich darüber, dass das Baden-Württembergische Landesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 14. November die ProfessorInnenmehrheit auch auf die Gremien ausweitet sehen will, die nichts anderes zu tun haben, als Hochschulleitungen zu wählen oder über Grundordnungen zu beschließen. Beides, sagt er, seien Dinge, die Forschung und Lehre allenfalls mittelbar betreffen. Wissenschaftsfreiheit – meint Zechlin – werde  von diesem Gericht und anderen deutschen Gerichten, wie es scheint, fast ausschließlich als eine Freiheit von ProfessorInnen konzeptualisiert.

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Ein paar kurze Bemerkungen zu zivilgesellschaftlichen Bezügen von Hochschulautonomie

Joachim Metzner vormals Rektor der überaus schreibanlassergiebigen Fachhochschule Köln (siehe hier und hier) und Hans E. Roosendaal einer der Geschäftsführer von HochchulExpert einer Beratungsgesellschaft die „Strategie für Qualität“ im Angebot hat, haben ein Papier über Hochschulautonomie und ihren Zusammenhang mit strategischer Hochschulentwicklung vorgelegt. Jan Martin Wiarda hat das Papier gelesen und hier zusammengefasst und diskutiert. Der Staat sei den Hochschulen ein schlechter Vertragspartner fasst Wiarda Metzner und Roosendahl zusammen, weil er seinerseits die strategische Klarheit, die er den Hochschulen abverlange, vermissen lasse. Als Lösung aus dem Dilemma sehen die Autoren so Wiarda weniger Staat. So knapp, wie überraschungsarm will ich hier Wiarda und seine Auseinandersetzung mit dem Papier wiedergeben.

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Gestrandet zwischen Werbung und politischer Kommunikation. Die Leitlinien für die Berliner Wissenschaftspolitik

Als in Berlin Ende vergangenen Jahres eine rot-rot-grüne Koalition möglich wurde, sah es für einen Moment so aus, als täte sich eine Gelegenheitsfenster in Sachen sozialer und technologischer Innovation auf. Die Senatsverwaltungen für Wirtschaft- sowie die für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wurden grüne Ressorts, eine Abrundung dieser Konstellation mit dem Wissenschaftressort hätte (vermutlich) einmalige Chancen eröffnet, die Zukunft der Stadt zu gestalten. Aus meiner Sicht leider hat es die Partei vorgezogen, das Ressort für Justiz und Verbraucherschutz zu besetzen. Damit kann man wahrscheinlich auch etwas machen, nur, die Trias aus Wirtschaft, Wissenschaft und Umwelt und damit Potentiale für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt sind verschenkt. Leider damit auch die Möglichkeit der Gründer*innenmetropole Berlin einen zukunftsweisenden an Nachhaltigkeit und ökologischer Modernisierung orientierten Spin mitzugeben.

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Sauber bereinigt und angepasst. Wie die Humboldt-Universität ihre Strukturen exzellenzfit machen will

An der Humboldt Universität hatte sich im Dezember eine seltsame Informationslage eingestellt. Obwohl der sich damals gerade neu bildende Berliner Senat beabsichtigte, jährlich 3,5 % mehr Gelder den Hochschulen zur Verfügung zu stellen, hat die Leitung der Hochschule die Fakultäten aufgefordert, bis Mitte dieses Monats Sparvorschläge im Umfang von 8 % vorzulegen. Ziel des Sparens ist nicht wie in den 1990er Jahren Sparen, sondern – wie es scheint – Flexibilität, nicht die der Fakultäten, sondern die der Leitung der Universität. Die Fakultäten sollen deshalb „strukturelle Defizite abbauen“ und Professuren – wo möglich – von W3 auf W2 Denominationen downgraden. Strukturanpassung oder noch etwas schnittiger Strukturbereinigung heißt das im Hochschulleitungsjargon.

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Politik und Wissenschaft im postfaktischen Zeitalter? Untersuchung eines intellektuellen Irrwegs

Der Gedanke, Postfaktisches sei etwas Neues in der Politik, ein Momentum, das erst jetzt, nach der Wahl Trumps oder mit dem Aufkommen der AfD Einzug hält, irrt. Neu ist lediglich, dass eine ganze Menge postfaktisches Denkens und Meinens im Zentrum der Macht, im Weißen Haus angekommen ist. In diversen Politikfeldern hatten wir Postfaktizität seit eh je, immer dann, wenn politisch motiviertes Nichtwissenwollen überhandgenommen hat; so gehörte es seit langem in der bundesdeutschen Verkehrspolitik zum guten Ton so zu tun, als sei globale Erwärmung etwas eher Nebensächliches. Politikfelderübergreifend lässt sich sagen, dass das Wissen jeweils anderer Politikfelder unerwünscht ist: Verkehrspolitik ignoriert umweltpolitische Folgen, Wirtschaftspolitik sozialpolitische, reine Machtpolitik ignoriert falls nötig die Belange aller anderen Felder. Darüber hinaus pflegen Politikfelder ihre Beziehungen zu ihren Lieblingsfächern und –disziplinen und nehmen Resultate ihnen fremder Disziplinen nur ungern und zögernd zur Kenntnis. Und auch innerhalb der disziplinären organisierten Wissensbereiche ist Selektivität verbreitet, Wirtschafts- und Finanzpolitik hat es immer wieder vermocht, ganze wirtschaftswissenschaftliche Wissenssphären aus ihren Beratungs- und Kommunikationskontexten zu verbannen und sich ausschließlich auf eine volkswirtschaftliche Denkschule zu beziehen. VertreterInnen heterodoxer wirtschaftswissenschaftlicher  Forschungsansätze finden sich in den von den Bundesministerien für Finanzen und Wirtschaft eingesetzten Beratungsgremien nicht.

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Zetsches Zeitspiel. Wie der Vorstandvorsitzende der Daimler AG die Erträge von heute auf Kosten der Zukunft Baden-Württembergs retten will

Auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen vor nicht ganz zwei Wochen hat Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG eine Rede gehalten. Ob er das tun soll, war strittig. Ob es einem Erkenntnisgewinn nutzen würde auch. Für die Partei wäre seine Rede Gelegenheit gewesen zu erfahren, wie sich ein wichtiger Industrievertreter die Zukunft vorstellt. Für ihn wäre es ebenfalls Gelegenheit gewesen, Zukunftsvorstellungen zu entwickeln, zu zeigen, dass auch jenseits des Bündnisses mit CDU und IG-Metall die Autoindustrie andere Ideen hat, Politik für ihre Belange zu gewinnen. Und er hätte zeigen können, dass man sich keine Sorgen machen muss, dass man, wenn man sich nicht gegen das stellt, was die Autoindustrie will, mit dazu beiträgt, dass die deutsche Schlüsselindustrie den Weg großer auch ehemals ein Technologiefeld dominierender Unternehmen wie Kodak geht. Für alle, die erwartet oder erhofft hatten, dass Zetsches Auftritt in der Sache Erhellendes beitragen würde, war der Auftrag eine Enttäuschung, für diejenigen, die erwarteten, dabei käme ohnehin nichts raus, war er eine Bestätigung. Weiterlesen

Warum es beim Anthropozän ästhetisch gesehen Luft nach oben gibt und neue Technologie alleine da vermutlich nicht durchhilft

Ob und seit wann, wir in einem Anthropozän, also in einem von menschlichem Handeln geprägten Erdzeitalter leben lässt sich aus geologischer Sicht trefflich streiten. Der Streit ist in einer Arbeitsgruppe institutionalisiert und wir werden in einigen Jahren erfahren, was die Geolog*innen dazu meinen.Als Soziologe interessiere ich mich hier, wie schon erwähnt, mehr für außergeologische Konzepte, Konzepte von Zeit z. B, oder auch politikwissenschaftliche Denkansätze, die danach fragen, was es denn nun eigentlich bedeutet, im Anthropozän zu leben.

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Wie Universitäten soziales Kapital produzieren und umverteilen. Gedanken zu Steve Fullers „Academic Caesar“ und welche hochschulpolitischen Schlüsse sich daraus ziehen lassen

Steve Fuller hat ein neues kleines Buch vorgelegt The Academic Caesar, das Buch schließt an zwei seiner älteren Bücher The Governance of Science (2000) (Einleitung, Inhaltverzeichnis und die ersten 1,5 Kapitel hier) sowie Knowledge Management Foundations (2002) an. Trotz des etwas albernen Titels, der es vielen leicht machen wird, das Buch als Beitrag zu  hochschulpolitischem Autoritarismus abzutun, geht es dort um Ernsthaftes*, nämlich um die Frage, welchen Mehrwert Universitäten in einer Wissensgesellschaft schaffen und wie ihre Führung dazu beitragen kann, dass der Mehrwert sich tatsächlich realisiert. Das Thema wird zumeist unter dem Begriff Academic Leadership abgehandelt, in Deutschland ist das eher ein Unthema, mit dem sich kaum jemand beschäftigen mag. Auf der linken Seite des Hochschulpolitischen Spektrums, ist das so, weil es zunächst einmal wenig Demokratisierungsperspektive vermittelt, Befürworter*innen einer unternehmerischen Universität hingegen, stören sich am Academic, denn sie meinen zu wissen, was Leadership und Entrepreneurship bedeuten: Management. Einen Begriff davon, was und aus welchen Gründen eine Universität machen oder unterlassen sollte, und worin ihr sozialer Mehrwert besteht, haben viele Freunde der unternehmerischen Universität nicht. Demzufolge gibt es zum Thema nicht viel, gefühlt etwa eine Habil (Bernd Kleimann vom DZHW vormals HIS) sowie einige Aufsätze von Michael Daxner und etliche Reden und kürzere Texte von Hans Weiler (bei letzteren handelt es sich ganz überwiegend um Vorschläge zu einem Konzepttransfer aus den USA). Im angloamerikanischen Sprachraum ist das anders, dort gibt es eine eigenständige Literaturgattung, die Präsidentenliteratur, in der Academic Leadership zum Thema gemacht wird.

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Angewandte Geologie. Wie die Debatten über ein Anthropozän und Transformative Wissenschaft zusammenhängen

Die wissenschaftliche Gemeinschaft der Geolog*innen hat sich daran gemacht, zu klären, ob die Nomenklatur der Erdzeitalter um ein weiteres, das Anthropozän erweitert werden muss. Das Anthropozän wäre das Erdzeitalter, das von menschlichem Einfluss geprägt ist, ausgemacht werden dürfte es durch veränderte Fossilienablagerungen (durch Säugetierausrottung oder Tierhaltung), veränderte Sedimente, Plastik in Sedimenten, Bergbauaushub etc. Unklar ist noch, ob das Anthropozän dann ein Teil des Holozäns wäre, oder ob das Holozän (das ja ursprünglich nur eine Zwischeneiszeit hätte sein sollen, zur Gänze in Anthropozän umbenannt werden soll), schließlich wäre das Holozän ja auch die einzige vormalige Zwischeneiszeit, der der Status eines Erdzeitalters zuerkannt worden ist, eben wegen ihres Menschenbezuges. Ob das Anthropozän nun wirklich ein in geologischem Sinne neues Zeitalter ausmacht, kann die geologische noch nicht und ich erst recht nicht beurteilen, das ist – wenn man so will – eine innergeolologische Frage, die in den kommenden Jahren zu klären sein wird. Mich interessiert hier vielmehr, wie mit welchen Argumenten diese Debatte geführt wird und woher eigentlich Widerstand gegen die Einführung eines Anthropozäns kommt.

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